Sus-teXure: Weiterbildung für eine nachhaltige Textilindustrie

LCA, KI-gestützte Entscheidungshilfen und virtuelle Lernlabore für zirkuläre Produktionsmodelle

Die Tex­til­in­dus­trie steht vor der Auf­ga­be, ihren Mate­ri­al­ver­brauch, ihre Emis­sio­nen und ihre Abfall­men­gen deut­lich zu redu­zie­ren. Gleich­zei­tig müs­sen Unter­neh­men neue gesetz­li­che Anfor­de­run­gen erfül­len, Lie­fer­ket­ten trans­pa­ren­ter gestal­ten und ihre Pro­duk­ti­on stär­ker an den Grund­sät­zen der Kreis­lauf­wirt­schaft aus­rich­ten.

Dafür reicht theo­re­ti­sches Nach­hal­tig­keits­wis­sen allein nicht aus. Beschäf­tig­te, Fach­kräf­te und Aus­bil­den­de benö­ti­gen kon­kre­te Metho­den und digi­ta­le Werk­zeu­ge, mit denen sie Mate­ria­li­en, Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren und Umwelt­aus­wir­kun­gen bewer­ten kön­nen.

Genau hier setzt das euro­päi­sche Eras­mus+ Pro­jekt Sus-teX­u­re an. Unter der Koor­di­na­ti­on der Texul­ting GmbH ent­steht ein pra­xis­na­hes Wei­ter­bil­dungs­sys­tem für die nach­hal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on der Tex­til- und Mode­indus­trie. Das Pro­jekt ver­bin­det Life Cycle Assess­ment, Kreis­lauf­wirt­schaft, künst­li­che Intel­li­genz und vir­tu­el­le Lern­um­ge­bun­gen.

Von Nachhaltigkeitswissen zu konkreten Entscheidungen

Vie­le Nach­hal­tig­keits­ent­schei­dun­gen wer­den unmit­tel­bar in der Pro­duk­ti­on getrof­fen: bei der Aus­wahl von Fasern und Gar­nen, beim Ener­gie- und Was­ser­ver­brauch, bei der Ver­wen­dung von Che­mi­ka­li­en oder beim Umgang mit Pro­duk­ti­ons­ab­fäl­len.

Sus-teX­u­re über­setzt die­se Ent­schei­dun­gen in ver­ständ­li­che und anwend­ba­re Lern­in­hal­te. Beschäf­tig­te und Aus­bil­den­de ler­nen, Umwelt­aus­wir­kun­gen ent­lang des Lebens­zy­klus eines Tex­til­pro­dukts zu erken­nen, ver­schie­de­ne Alter­na­ti­ven mit­ein­an­der zu ver­glei­chen und Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten abzu­lei­ten.

Dabei geht es nicht nur um theo­re­ti­sche Grund­la­gen. Rea­le Pro­duk­ti­ons­si­tua­tio­nen, Unter­neh­mens­da­ten und kon­kre­te Ent­schei­dungs­sze­na­ri­en bil­den die Grund­la­ge der ent­wi­ckel­ten Schu­lun­gen und digi­ta­len Anwen­dun­gen.

Vier Bausteine für eine nachhaltige Textilproduktion

Im Pro­jekt wer­den vier mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Bau­stei­ne ent­wi­ckelt:

LCA-basier­te Schu­lungs­mo­du­le

Zehn Schu­lungs­mo­du­le ver­mit­teln Grund­la­gen und prak­ti­sche Anwen­dun­gen der Lebens­zy­klus­ana­ly­se in der Tex­til­in­dus­trie. Behan­delt wer­den unter ande­rem Mate­ri­al­aus­wahl, Res­sour­cen­ef­fi­zi­enz, Ener­gie- und Was­ser­ver­brauch, Abfall­ver­mei­dung, Recy­cling­fä­hig­keit und zir­ku­lä­re Pro­duk­ti­ons­mo­del­le.

KI-gestütz­ter LCA-Assis­tent

Eine digi­ta­le Ent­schei­dungs­platt­form unter­stützt Beschäf­tig­te und Unter­neh­men bei der Bewer­tung von Mate­ria­li­en und Pro­duk­ti­ons­al­ter­na­ti­ven. Die Anwen­dung soll Umwelt­aus­wir­kun­gen ver­ständ­lich dar­stel­len, Hand­lungs­op­tio­nen ver­glei­chen und auch für Per­so­nen ohne ver­tief­te LCA-Kennt­nis­se nutz­bar sein.

Vir­tu­el­le Lern­la­bo­re

Zehn inter­ak­ti­ve Lern­sze­na­ri­en über­tra­gen typi­sche Ent­schei­dungs­si­tua­tio­nen aus der Tex­til­pro­duk­ti­on in eine vir­tu­el­le Umge­bung. Die Teil­neh­men­den kön­nen unter­schied­li­che Mate­ria­li­en, Pro­zes­se und Maß­nah­men tes­ten, ohne lau­fen­de Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se oder rea­le Res­sour­cen zu bean­spru­chen.

Trans­fer in Aus­bil­dung und Unter­neh­men

Schu­lun­gen, Pilo­t­an­wen­dun­gen, Work­shops und Ver­an­stal­tun­gen sor­gen dafür, dass die ent­wi­ckel­ten Inhal­te in Unter­neh­men und Ein­rich­tun­gen der beruf­li­chen Bil­dung ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Die Ergeb­nis­se wer­den mehr­spra­chig und als frei zugäng­li­che Bil­dungs­res­sour­cen bereit­ge­stellt.

Praxisnah, digital und europaweit nutzbar

Sus-teX­u­re rich­tet sich ins­be­son­de­re an klei­ne und mitt­le­re Unter­neh­men, die häu­fig weder über eige­ne LCA-Abtei­lun­gen noch über umfang­rei­che Wei­ter­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten ver­fü­gen. Der kom­bi­nier­te Ein­satz von digi­ta­len Schu­lungs­mo­du­len, KI-gestütz­ten Ent­schei­dungs­hil­fen, vir­tu­el­len Lern­la­bo­ren und prak­ti­schen Work­shops ermög­licht einen fle­xi­blen Zugang.

Im Pro­jekt sol­len 120 Beschäf­tig­te aus der Tex­til­in­dus­trie und 60 Fach­kräf­te aus der beruf­li­chen Bil­dung geschult wer­den. Pilo­t­an­wen­dun­gen in Unter­neh­men und Bil­dungs­ein­rich­tun­gen prü­fen, ob die ent­wi­ckel­ten Werk­zeu­ge ver­ständ­lich, rea­lis­tisch und im Arbeits­all­tag ein­setz­bar sind.

Die Pro­jekt­er­geb­nis­se sol­len nach Abschluss wei­ter­hin in der beruf­li­chen Aus- und Wei­ter­bil­dung sowie in betrieb­li­chen Schu­lun­gen ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Die Rolle von Texulting

Texul­ting koor­di­niert das euro­päi­sche Pro­jekt und ver­ant­wor­tet das Pro­jekt­ma­nage­ment, die Zusam­men­ar­beit der Part­ner sowie das Moni­to­ring der Pro­jekt­fort­schrit­te.

Dar­über hin­aus bringt Texul­ting sei­ne Erfah­run­gen aus der Tex­til­in­dus­trie, der Nach­hal­tig­keits­be­ra­tung, der CO₂-Bilan­zie­rung und dem Inno­va­ti­ons­ma­nage­ment ein. Zu unse­ren Auf­ga­ben gehö­ren ins­be­son­de­re:

  • die Aus­rich­tung der Pro­jekt­in­hal­te an den Anfor­de­run­gen von Unter­neh­men und beruf­li­cher Bil­dung,
  • die Ein­bin­dung von Tex­til­un­ter­neh­men, Fach­kräf­ten und wei­te­ren Stake­hol­dern,
  • die Mit­wir­kung an den LCA-Schu­lungs­mo­du­len und pra­xis­na­hen Anwen­dungs­sze­na­ri­en,
  • die Ent­wick­lung von Sze­na­ri­en für die vir­tu­el­len Lern­la­bo­re,
  • die Durch­füh­rung von Pilo­t­an­wen­dun­gen und Schu­lun­gen,
  • die Orga­ni­sa­ti­on von Bran­chen­ver­an­stal­tun­gen und Trans­fer­for­ma­ten,
  • sowie die lang­fris­ti­ge Ver­an­ke­rung der Ergeb­nis­se in Unter­neh­men und Bil­dungs­an­ge­bo­ten.

Damit stellt Texul­ting sicher, dass aus den ent­wi­ckel­ten Metho­den und digi­ta­len Werk­zeu­gen Lösun­gen ent­ste­hen, die in der betrieb­li­chen Pra­xis tat­säch­lich funk­tio­nie­ren.

Zielgruppen und langfristiger Nutzen

Das Pro­jekt rich­tet sich an:

  • Beschäf­tig­te und Fach­kräf­te in der Tex­til­pro­duk­ti­on,
  • Aus­zu­bil­den­de und Nach­wuchs­kräf­te,
  • Lehr­kräf­te und Aus­bil­den­de in der beruf­li­chen Bil­dung,
  • Pro­duk­ti­ons­ver­ant­wort­li­che und Tex­til­in­ge­nieu­rin­nen und Tex­til­in­ge­nieu­re,
  • Nach­hal­tig­keits- und Umwelt­ver­ant­wort­li­che,
  • klei­ne und mitt­le­re Tex­til­un­ter­neh­men,
  • Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, Bran­chen­ver­bän­de und poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger.

Sus-teX­u­re soll dazu bei­tra­gen, Nach­hal­tig­keit stär­ker mit den täg­li­chen Ent­schei­dun­gen in Pro­duk­ti­on und Aus­bil­dung zu ver­bin­den. Unter­neh­men erhal­ten einen bes­se­ren Zugang zu Lebens­zy­klus­ana­ly­sen, nach­hal­ti­ger Mate­ri­al­aus­wahl und zir­ku­lä­ren Pro­duk­ti­ons­an­sät­zen. Beschäf­tig­te erwer­ben Kom­pe­ten­zen, die für die wei­te­re Trans­for­ma­ti­on der euro­päi­schen Tex­til­in­dus­trie benö­tigt wer­den.

Fakten

Voll­stän­di­ger Pro­jekt­ti­tel:

Sus-teX­u­re — Streng­thening the skills of tex­ti­le workers through inno­va­ti­ve tea­ching solu­ti­ons for the tran­si­ti­on of the Tex­ti­le and Fashion Indus­try to sus­tainable and cir­cu­lar fashion models

Pro­jekt­lauf­zeit:

01.09.2026 bis 31.10.2028

Pro­jekt­vo­lu­men:

400.000 Euro

Pro­gramm:

Eras­mus+ Coope­ra­ti­on Part­ner­ships in Voca­tio­nal Edu­ca­ti­on and Trai­ning, KA220-VET

Auf­trag-/För­der­mit­tel­ge­ber:

Kofi­nan­ziert durch die Euro­päi­sche Uni­on

Natio­na­le Agen­tur Bil­dung für Euro­pa beim Bun­des­in­sti­tut für Berufs­bil­dung

Pro­jekt­ko­or­di­na­ti­on:

Texul­ting GmbH, Chem­nitz

Adressierte SDGs:

SDG 4 „Hochwertige Bildung“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 9 „Industrie, Innovation und Infrastruktur“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 17 „Partnerschaften zur Erreichung der Ziele“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen

Partner / Förderungen

 

“Von der Euro­päi­schen Uni­on finan­ziert. Die geäu­ßer­ten Ansich­ten und Mei­nun­gen ent­spre­chen jedoch aus­schließ­lich denen des Autors bzw. der Autoren und spie­geln nicht zwin­gend die der Euro­päi­schen Uni­on oder der Euro­päi­schen Exe­ku­tiv­agen­tur für Bil­dung und Kul­tur (EACEA) wider. Weder die Euro­päi­sche Uni­on noch die EACEA kön­nen dafür ver­ant­wort­lich gemacht wer­den.”

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