SPARK: ESG spielerisch begreifen

Nachhaltigkeit wird in Unternehmen häufig auf Berichte, Kennzahlen und gesetzliche Anforderungen reduziert. Im Arbeitsalltag geht es jedoch vor allem um Entscheidungen: Welche Maßnahme hat Vorrang? Wo entstehen Zielkonflikte? Welche wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Folgen hat eine Entscheidung für andere Bereiche des Unternehmens?

Gerade für Mitarbeitende, die sich bisher wenig mit ESG beschäftigt haben, bleiben diese Zusammenhänge oft abstrakt. Klassische Schulungen vermitteln zwar Fachwissen, schaffen aber nicht automatisch ein Verständnis dafür, wie Nachhaltigkeitsentscheidungen im Unternehmen tatsächlich zusammenwirken.

Im Projekt SPARK entwickeln die Texulting GmbH und die ATB Arbeit, Technik und Bildung gGmbH deshalb ein analoges ESG-Planspiel für kleine und mittlere Unternehmen. Es soll Nachhaltigkeit verständlich machen, unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und Mitarbeitende befähigen, betriebliche Zielkonflikte besser zu erkennen und einzuordnen.

Nachhaltigkeit lässt sich nicht isoliert entscheiden

Investitionen in energieeffiziente Technik können Kosten senken und Emissionen reduzieren, benötigen aber zunächst Kapital. Nachhaltigere Materialien verbessern möglicherweise die Umweltwirkung eines Produktes, verändern jedoch Einkaufspreise, Lieferketten oder Produktionsabläufe. Zusätzliche Anforderungen an Dokumentation und Transparenz schaffen Sicherheit gegenüber Kunden und Banken, binden gleichzeitig aber personelle Ressourcen.

Solche Entscheidungen haben selten nur eine ökologische, soziale oder wirtschaftliche Wirkung. Sie beeinflussen mehrere Bereiche gleichzeitig.

SPARK überträgt diese Zusammenhänge in ein spielerisches Lernformat. Die Teilnehmenden treffen Entscheidungen, erleben deren Auswirkungen und müssen gemeinsam mit begrenzten Ressourcen und unterschiedlichen Interessen umgehen. Dadurch werden ESG-Themen nicht nur erklärt, sondern unmittelbar erfahrbar.

Von realen Entscheidungssituationen zum Planspiel

Im ersten Schritt werden die Anforderungen relevanter Zielgruppen untersucht. Dazu gehören insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, deren Mitarbeitende sowie Bildungs- und Weiterbildungsträger.

Auf dieser Grundlage werden typische ESG-Entscheidungssituationen aus dem Unternehmensalltag identifiziert. Sie bilden die inhaltliche Basis des Planspiels und greifen Themen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung auf.

Mögliche Fragestellungen betreffen unter anderem:

  • den Einsatz von Energie und Ressourcen,
  • die Auswahl von Materialien und Lieferanten,
  • Investitionen in nachhaltigere Technologien,
  • den Umgang mit Kosten und begrenzten Budgets,
  • Arbeitsbedingungen und Personalentscheidungen,
  • Kundenanforderungen und Wettbewerbsfähigkeit,
  • Transparenz, Dokumentation und Unternehmensführung,
  • sowie Zielkonflikte zwischen kurzfristigem Aufwand und langfristigem Nutzen.

Diese Situationen werden in eine verständliche Spiellogik übersetzt. Ergänzend entsteht ein didaktisches Reflexionsformat, mit dem die Erfahrungen aus dem Spiel ausgewertet und auf den eigenen Arbeitsalltag übertragen werden können.

Entwicklung und Erprobung eines Prototyps

SPARK wird als Machbarkeitsprojekt umgesetzt. Im Mittelpunkt steht daher die Frage, ob ein analoges Planspiel geeignet ist, ESG-Kompetenzen in kleinen und mittleren Unternehmen wirksam zu vermitteln.

Dazu wird zunächst ein spielbarer Prototyp entwickelt. Dieser wird anschließend in mehreren Pilottests mit unterschiedlichen Zielgruppen erprobt. Die Teilnehmenden bearbeiten gemeinsam betriebliche Entscheidungssituationen und erleben, welche wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Folgen ihre Entscheidungen auslösen.

Die Erprobung wird durch Befragungen, Beobachtungen und moderierte Feedbackrunden begleitet. Bewertet werden insbesondere:

  • Verständlichkeit und Zugänglichkeit,
  • Praxisnähe der Entscheidungssituationen,
  • Qualität und Funktionsfähigkeit der Spielmechanik,
  • Akzeptanz bei unterschiedlichen Zielgruppen,
  • Wirkung auf das Verständnis von ESG-Zusammenhängen,
  • sowie die Übertragbarkeit auf den betrieblichen Alltag.

Die Ergebnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung und Finalisierung des Planspiels ein.

Lernen durch Entscheidungen und gemeinsame Reflexion

Das Planspiel soll kein Wissensquiz zu Nachhaltigkeitsbegriffen werden. Im Mittelpunkt stehen Entscheidungen, Wechselwirkungen und die Diskussion im Team.

Die Teilnehmenden erleben, dass es bei Nachhaltigkeit selten eine einfache Musterlösung gibt. Unterschiedliche Unternehmensbereiche verfolgen berechtigte Ziele, verfügen aber nur über begrenzte finanzielle, zeitliche und personelle Ressourcen. Dadurch entstehen Zielkonflikte, die gemeinsam bewertet und gelöst werden müssen.

Die anschließende Reflexion verbindet das Spielerlebnis mit der Unternehmenspraxis. Die Teilnehmenden diskutieren, welche Situationen sie aus ihrem eigenen Betrieb kennen, welche Informationen für Entscheidungen fehlen und an welchen Stellen Strukturen, Verantwortlichkeiten oder Daten verbessert werden können.

Einsatz in Unternehmen und Weiterbildung

Zum Abschluss des Projekts wird ein Transfer- und Einsatzmodell entwickelt. Es beschreibt, wie das ESG-Planspiel nach der Erprobung genutzt und in bestehende Formate integriert werden kann.

Mögliche Einsatzbereiche sind:

  • interne Schulungen und Teamworkshops,
  • Weiterbildungen für Fach- und Führungskräfte,
  • Qualifizierungsmaßnahmen für Beschäftigte,
  • Strategie- und Nachhaltigkeitsworkshops,
  • Bildungsangebote von Kammern, Verbänden und Bildungsträgern,
  • sowie Veranstaltungen zur Organisations- und Personalentwicklung.

Damit soll ein niedrigschwelliges Instrument entstehen, das auch Unternehmen nutzen können, die bisher keine umfassenden Nachhaltigkeitsstrukturen aufgebaut haben.

Zusammenarbeit von Texulting und ATB

Texulting übernimmt die Koordination des Verbundprojekts und verantwortet die inhaltliche Steuerung. Wir bringen unsere Erfahrungen aus der Nachhaltigkeitsberatung, der ESG-Transformation, der CO₂-Bilanzierung und der Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen ein.

Zu unseren Aufgaben gehören insbesondere:

  • die Analyse relevanter ESG-Themen und betrieblicher Zielkonflikte,
  • die Entwicklung praxisnaher Entscheidungssituationen,
  • die Strukturierung der fachlichen Spielinhalte,
  • die Einbindung von Unternehmen und weiteren Zielgruppen,
  • die Mitwirkung an Pilotworkshops und Evaluation,
  • sowie die Entwicklung von Einsatz- und Transfermöglichkeiten.

Die ATB Arbeit, Technik und Bildung gGmbH ergänzt das Projekt mit ihrer arbeitswissenschaftlichen, didaktischen und organisationsbezogenen Kompetenz. Als Forschungs- und Beratungsinstitut arbeitet die ATB insbesondere zu Personalarbeit, Organisationsentwicklung und spielbasierten Lernformaten für Unternehmen. Damit verbindet das Projekt fachliche ESG-Inhalte mit geeigneten Methoden der Kompetenzentwicklung.

Zusätzliche spielmechanische Expertise unterstützt die Entwicklung eines verständlichen und funktionierenden Prototyps.

Zielgruppen und erwarteter Nutzen

SPARK richtet sich insbesondere an:

  • Mitarbeitende in kleinen und mittleren Unternehmen,
  • Fach- und Führungskräfte,
  • Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Energieverantwortliche,
  • Personal- und Organisationsverantwortliche,
  • Bildungs- und Weiterbildungsträger,
  • Beraterinnen und Berater,
  • sowie Teilnehmende arbeitsmarktnaher Qualifizierungsangebote.

Das Planspiel soll Unternehmen dabei helfen, ESG nicht nur als Aufgabe einzelner Fachverantwortlicher zu behandeln. Mitarbeitende sollen besser verstehen, welche Auswirkungen betriebliche Entscheidungen haben und wie sie selbst zur nachhaltigen Entwicklung ihres Unternehmens beitragen können.

Gleichzeitig schafft das gemeinsame Spielen einen Raum, in dem unterschiedliche Sichtweisen sichtbar und komplexe Themen ohne unmittelbaren Entscheidungsdruck diskutiert werden können.

Fakten

Vollständiger Projekttitel:

SPARK: ESG spielerisch begreifen: Ein Planspiel zur nachhaltigen Kompetenzentwicklung in KMU

Projektform:

Machbarkeitsprojekt

Projektlaufzeit:

01.08.2026 bis 31.07.2027

Förderkennzeichen Texulting:

16GM506801

Förderprogramm:

Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen, IGP

Auftrag-/Fördermittelgeber:

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Projektträger:

VDI/VDE Innovation + Technik GmbH

Projektkoordination:

Texulting GmbH, Chemnitz

Adressierte SDGs:

SDG 4 „Hochwertige Bildung“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 8 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen
SDG 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ – Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen

Partner / Förderungen

Projektpartner:

Förderhinweis:

Das Projekt SPARK wird im Rahmen des Innovationsprogramms für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Logo Bundesministerium für Wirtschaft und Energie